12293.wolf gossip satz für satz

uljana wolf response paper

Author

esteeschwarz

Published

May 13, 2026

[1] "engine on..."

SNC

[1] "debug..."
16156.form

password parsley

der login auf einer der geschützten seiten einer mit unserer universität verbundenen (institution) läuft über ein verfahren, das als single sign on bezeichnet wird. bei diesem werden der nutzername und das passwort (unsere zedat credentials) nicht der von uns gewünschten seite übermittelt, sondern nur die zusage einer instanz (die ich im folgenden näher beleuchten will), dasz unsere credentials richtig sind, wir also der instanz (ich nenne sie hier einmal: wächter) den richtigen nutzernamen und passwort übergeben haben, um auf die ferne seite (ein korpusengine, ein bibliotheksportal, generell eine ferne anwendung im netz, die den zugriff zb. nur den affiliates bestimmter bildungseinrichtungen erlaubt / ich nenne sie hier zb.: waffenlager, repositorium), zugreifen zu können. beide seiten, wächter und repositorium, sind sich einig, dasz uns der zugriff auf die ressourcen nur gestattet wird, wenn wir derjenige sind, der wir zu sein vorgeben. zb. student/ der FUB.

  • oder partisan.
  • oder mitglied einer geheimen verbindung.
  • oder: mitwisser von geheimnissen.

genauer: kenner des SHIBBOLETH. dieses beschäftigt hier also auch uljana wolf.

1

wer gelegentlich ein biszchen in der literatur umherstreift, wird über codes & switches schon gestolpert sein, die nur denen zugänglich sind, die dort irgendwie zuhause sind. die sich mit texten auseinandersetzen, texte gegeneinander lesen – auf ihre intertextualität hin untersuchen, zb. / schnell macht man tropen aus, die gemeinplätze geworden sind und mit denen jeder umgehen kann, der mit dem kanon der jeweiligen (literatur) vertraut ist. einen solchen (switch character) scheint hier, bei uljana, auch die petersilie zu haben. man wird mit dem wort nicht weiter unbefangen hantieren können, wenn man über die 20.000 haitianischen gastarbeiter (cf. wolf/GOSSIP/etymologischer gossip im gedicht)1 gelesen hat. es ist schön, dasz uljana hier die sache einmal aufklärt, um an diesem beispiel das prinzip des shibboleth zu erklären.

das wort petersilie - parsley - [perejil] wird als zugang benötigt, um gegenüber der gemeinschaft der natives NICHT als fremder zu erscheinen = dem massaker zum opfer zu fallen. wer es [pɛʟɛχɪʟ] ausspricht, und nicht [pɛʀɛχɪʟ], wie die einheimischen, wird ermordet. es ist also gut, die aussprache zu wissen. oder zu beherrschen.

ähnliches, weniger drastisches, kann menschen widerfahren, die um nur prominente beispiele zu nennen, [derrida], [bourdieu], [accessoir] oder eben, um zurückzukehren [shibboleth] (heute! dazu siehe Ri12.6 unten.) falsch aussprechen. (cf. dembeck, pg.212).2

2

S: שִׂבֹלֶת > [now that was hard getting to the script…]
die übersetzung allein bringt niemanden weiter, es geht um die kleinen punkte…, die unscheinbaren merkzeichen, die das wort Ri, 12.6 an sich trägt und es zu dem machen, was es ist. nicht torheit, sondern ein strom. das würde zu weit gehen, aber ob das Sibboleth doch ein TOR ist in der deutsch-assoziierenden polyphonischen auslegung…, das hat sicher auch fr. wolf beschäftigt… die stelle in Ri12.6 jdfs. gibt auch dieser interpretation einen raum. die richtige aussprache (hier nicht durch haitianische gastarbeiter, sondern die dem gilead fremden ephraimiten) öffnet tore, verhindert, ermordet zu werden.

3

in der literatur(wissenschaft) kann es essentiell werden, namen, termini… nicht nur richtig einzusetzen, sondern sie auch richtig auszusprechen. dasz dabei hegemoniale… (beweggründe? aspekte? belange? sic!) zum tragen kommen, sei hier nicht nur erwähnt. die domaininhaber definieren die korrektheit der anwendung. wenn die dömäne (die dominikanische republik? der gilead?) ist, haben diejenigen die epistemische? begriffshoheit, die dort schon immer ansässig sind. in der literatur und ihrer wissenschaft die worteigner und wissenschaftler der jeweiligen domäne. man setzt sich schnell in irgendwelche nesseln, wenn man das shibboleth nicht kennt. man fällt auf, aber man geht unter.

also kucken wir: was heiszt :hegemonial: was heiszt :epistemisch:. wir kucken überall, wo nesseln warten könnten… hegemonial im gossip, (cf. DIE WESTSÄULENLIEBHABEREI DER ÜBERSETZUNG. Ilse Aichingers ‘schwache Architekur’)3

Antihegemoniale, antikoloniale Übersetzung ist nicht der Macht treu, dem Besten, dem Brutalen, sondern besteht auf diesen schwächeren, den ‘nicht ausreichenden’ Möglichkeiten. Eine Übersetzung muss untreu sein, um das bloßzustellen, was das Beste ‘verbirgt’.

zu :epistemisch: sagt fr. wolf nichts, aber (gramling, 2016)4

In ihrer bescheidenen Weise vermochte es die Einsprachigkeit, zur Basis für einen enormen Überbau ästhetischer und epistemischer Paradigmen zu avancieren, denen man sich nur schwer entziehen kann – einschließlich des modernen Buchs, wie wir es kennen, und eines Kanons der Weltliteratur, der das einsprachige (übersetzte oder übersetzbare) Buch als Grundeinheit verwendet. Auch in den bildstürmerischsten Bereichen der kulturellen Produktion – sei es im Surrealismus, in der Dekonstruktion, in der Kybernetik oder im Anarchismus – spielt die Einsprachigkeit eine zentrale Rolle. Sie bestimmt, was verlässlich kommuniziert, verkehrsfähig übersetzt, politisch operationalisiert, international verteilt und auch privat im Gedächtnis behalten werden kann.

können wir jetzt diese wörter benutzen? kennen wir nun ihre bedeutung? versuchen Sie es mit :kongruenz:, :kontingenz:, :kohärenz:. nahe beieinanderliegende phoneme? wir kucken nochmal: (Meibauer, Einführung in die germanistische Linguistik, pg. 82)5

Die Phoneme in (18b) stehen in Opposition bzw. sie kontrastieren. Während Phone (Laute) in der Notation in eckigen Klammern stehen, werden Phoneme in Schrägstriche eingefasst.

gemeint waren also die :phone: [kongruenz], [kontingenz], [kohärenz]. ein paar nesseln weniger…

wir könnten das alles ohne weiteres fortschreiben; nur zu welchem ausgang wollen wir damit gelangen? reicht der ansatz, um gewisztheit über zumindest fr. wolfs engagement für ambiguitäten, ambivalenzen udgl. [nicht die begriffe, sondern das bestreben UM] zu erlangen, wollte man einer offenen literaturwissenschaft, entkanonisierten vielleicht entkolonialisierten und…, da sind wir: post[nationalen][hier: deutschen] literatur [et ici me manque encore une foi la verbe finite allemand] u.u.: zum leben verhelfen. die gegend um fr. wolf bietet jdfs. genug material, dies bestreben längst in taten umgesetzt zu sehen.

Footnotes

  1. Wolf, U. Etymologischer Gossip im Gedicht. In: Braun, M., & Thill, H. (2018). Aus Mangel an Beweisen : deutsche Lyrik 2008-2018 / herausgegeben von Michael Braun und Hans Thill. Heidelberg: Wunderhorn.↩︎

  2. Dembeck, T., Parr, R., & Küpper, T. (2017). Literatur und Mehrsprachigkeit : ein Handbuch / Till Dembeck/Rolf Parr (Hrsg.) ; unter Mitarbeit von Thomas Küpper. Tübingen: Narr Francke Attempto.↩︎

  3. Prammer, T., Vescoli, C., & Erb, E. (2021). Was für Sätze : Zu Ilse Aichinger / Theresia Prammer, Christine Vescoli (Hg.) ; Elke Erb, Uljana Wolf, Monika Rinck, Ruth Klüger, Marlene Streeruwitz [und weitere]. (1. Auflage). Wien: Edition Korrespondenzen.↩︎

  4. Gramling, D. (2016). Zur Mehrsprachigkeitsforschung in der interkulturellen Literaturwissenschaft: Wende, Romanze, Rückkehr? Zeitschrift für interkulturelle Germanistik, 7(1), 133–150. https://doi.org/10.14361/zig-2016-0109↩︎

  5. Meibauer, J., Demske, U., Geilfuß-Wolfgang, J., Pafel, J., Ramers, K. H., Rothweiler, M., & Steinbach, M. (2015). Einführung in die germanistische Linguistik (3., überarbeitete und aktualisierte Auflage). https://doi.org/10.1007/978-3-476-05424-1↩︎