nietzsche: annotations

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April 20, 2026

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(20) annotations: benn, dorische welt.pdf

paper: Benn (1989)
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1 Schlacht und Spitzkrüge, und Prinzchen, die phantastischen Kopfputz tragen, doch ohne Blut und Jagd und ohne Roß und Waf-fen, an dies Voreisenzeitalter im Tal von Knossos, diese un-geschützten Galerien, illusionistisch aufgelöstenWände, zarten artistischen Stil, farbige Fayencen, lange steife Röcke der Kreterinnen, enganliegende Taillen, Busenhalter, femi-nine Treppen der Paläste mit niederen breiten Stufen, be-quem für Weiberschritte -: grenzt über Mykene die dori-sche Welt.(..)hethitischen Rassensplitter mit Mutterrecht, weib-
1 Dorische Welt Eine Untersuchung über die Beziehung von Kunst und Macht #cite_benn_gesammelte_1989__
2 ihm was beibringen, ihm plausibel macnen.(..)Prunkreden, Reklamereden, Reden gegen Entrée. Dann kam »das Bezaubern« hinzu, symmetrischer Bau der Sätze, oleicheknende heinghe reimende Worte, ähnlich auslau-
3 underte en оп, b pielerische und senone 5 gestellt, vert , auch ” sische Welt: die Glieder des menschliche
6 man es auch hinsichtlich staats-feindlicher Menschen machen, schrieb Demokrit, und Pro-tagoras läßt den Gottvater sprechen: Gib in meinem Na-men das Gesetz, daß man einen Menschen ohne sittliches Bewußtsein und ohne Rechtsgefühl als cinen Krebsschaden des Gemeinwesens vernichten soll -: hieraus entstand das 5. Jahrhundert, der größte Glanz der weißen Rasse, der prä-gende, der absolute, nicht nur der mittelmeerisch be-grenzte, in diesen 50 Jahren nach Salamis, alles gruppiert sich um diese Seeschlacht: Aschylos kä
8 Körper zur Zucht: das Gesetz bestimmte das heirats-fahige Alter und wählte den günstigsten Zeitpunkt und die günstigsten Umstände für eine Schwängerung aus. Man ging wie in Gestüten vor, man vernichtete die schlechtge-lungene Frucht. Der Körper zum Krieg, der Körper zum Fest, der Körper zum Laster und der Körper endlich dann zur Kunst, das war die dorische Saat und die hellenische Geschichte Dori
8 Dorische Welt war die größte griechisch tike Sittlichkeit, also siegende Ordnung und von Göttern stammende Macht. Nichts wissen ihre Sagen von Horten, Schätzen, hohlen Bergen, ihre Begehrlichkeit geht nicht auf Gold, sondern auf heilige Dinge, magische Waffen aus Hephaistos’ Hand, auf das Goldene Vlies, das Halsband der Harmonia, das Zepter des Zeus. Sparta, das war auch ein schick. Menschen, welche bei den übri-
8 inken der Turnzucht?«Das Sinken der Turnzucht - mit ihr sanken die dorische Welt, Olympia, die graue Säule ohne Fuß und die der Her-renschicht günstigen Orakel. Euripides ist skeptisch, cin-sam und atheistisch, es steigen bei ihm bereits die Allge-meinbegriffe isoliert auf: das Gute«, das Rechte«, »die Tugenda, die Bildung«; er ist pazifistisch und antihero-isch: vor allem Frieden und keine sizilische Expedition, er 296
9 ld ihre Kampfspiele halten, sondern um die Trefflichkeit. « Diese Trefflichkeit, dieser Kranz, dieses Kampffest zwischen den großen Schlachten, das war hinter der panhellenischen Silhouctte die dorische Welt.(..)
10 er cinzelnen dorischen Landschaften gesammelt und nach Kunstregeln geordnet, hier wurde ein allgültiges Tonsystem festgelegt Hier gab es von 645 an einen Gesetzgeber der Musik, Musik war gesetzliches Lehrfach und mußte von allen Bewohnern bis zum 30. Lebensjahr betrieben werden, alle mußten die Flöte spielen, durch Poesie und Gesang wurden die Gesetze den Nachkommen überliefert, und man zog zum Kampf aus unter dem Klang von Flöten, Lyren und Kitharen, Alkman treffliches Kitharspiel geht dem Schwert voran«, sang Und
10 nen nicht zu trennen, das war die spartanische Sendung, und die lakedä-monischen Gebräuche verdrängten die homerischen. Bald gibt es keine Stadt mehr ohne ein Gymnasium, es ist eines der Zeichen, an denen man eine griechische Stadt erkennt.(..)Aus cinem solchen Viereck mit Säulenhallen und Platanen-alleen, gewöhnlich neben einer Quelle oder neben cinem Bach, ging auch dic Akademie hervor, und die große Philo-sophie entstand darin. In der späten Griechenzeit hicß es sogar, die Spartaner hätten die gesunkene griechische Mu-sik dreimal gerettet, und man stellte Sparta allegorisch als Weib mit einer Lyra dar. Es ist auch Sparta, in der das erste Gebäude für musikalische und
10 denfalls.(..)wirklich eine Beziehung, die geschichtlich 400 Jahre dau erte, von der öffentlichen Gewalt ganz unmittelbar zur Kunst, vom Heroentum der äußeren Haltung und der Tat, von den Schlachtfeldern von Marathon und Salamis zur Formfindung des letzten Parthenonstils, hier kann man wirklich von einer Geburt der Kunst aus der Macht spre-chen, in der Geschichte der Statue und an dieser Stelle je-es also war Sparta, so sehr war es der Ausgangspunkt
11 Sparta, die Macht.(..)Wir leiten’ also aus Sparta Griechenland ab, und aus dem Dorisch-Apollinischen die griechische Welt. Dionysos steht hier wieder in den Grenzen, in denen er vor 1871 (Geburt der Tragödie aus der Musik «) stand. Die Griechen waren ein primitives, d. h. ein rauschnahes Volk, ihr Zeus-dienst hatte orgiastische Züge; große, rauschhafte Erre-gungswellen traten periodisch bei ihnen auf, auch in Sparta, viel Kathartisches hatten sie aus den kretischen Schulen übernommen. Aber wir haben inzwischen primitive Völ-ker aus Reisesc
11 sie auch immer wieder »der Erzieher« genannt, und sehr interessant ist, wie Plato, geistig der letzte Dorer, der wäh-rend der Auflösung noch einmal den Kampfgegen den In-dividualismus, das Schwermütig-Reizvolle der Kunst, die süBliche Muße«, die Schattierkunst« aufnimmt, um für mittlere Leben«, die »Gemeinde und »die vernünftigen Gedanken«, »das die »Stadt mit der untadeligen Verfas-sung« zu kämpfen, diese Wehmut nach Sparta ausdrückt.(..)im Theages« sagt er von einem tugendhaften Mann, der über die Tugend Vorträge hält: »In der wunderbaren Har-monie seiner Handlungen und seiner Worte erkennt man die dorische Weise wieder, die einzige, welche wirklich griechisch ist. « Das war 500 Jahre nach Lykurg. Und von hier aus versteht man nun auch seine w
11 chischen Welt entstand. Zwischen Rausch und Kunst m Apollo, die große züchtende Kraft. Und da wir heute nicht mehr so wagnerisch erregt sind, um das Bedürfnis zu ha-ben, Tristan schon in Thrazien nachzuweisen, blicken wir nach Dorien, nicht nach Dion, fragen wir uns nach der grie-
12 n.(..)Betrachtet man dies alles nicht unter moralischen, senti-mentalen, geschichtsphilosophischen Gesichtspunkten, sondern nach anthropologischen Grundsätzen, so sehen wir auf der einen Scite die Macht und neben ihr den andern Ausbruch der hellenischen Volkheit: die Kunst. Wie verhal-ten sich diese beiden nun zueinander, welches waren ihre
13 den, Fortschrittsinstrumentarium. Der Gedanke ist immer der Abkömmling der Not«, sagt Schiller, bei dem wir ja ein sehr bewußtes Umlegen der Achse vom moralischen zum ästhetischen Weltbild wahrnehmen, er meint, der Gedanke steht immer nahe bei den Zweckmäßigkeiten und der Trieb- bei Äxten und Morgenstern, er ist Natur, aber
13 Und dabei Form nie als Ermüd deutsch-bürgerlichen Sinne,sondern als die enorme menschliche Macht, die Macht schlechthin, der Sieg über nackten Tatbestand und zivilisatorische Sachverhalte, eben als das Abendländische, die Uberhöhung, der reale eigen-kategoriale Geist, der Ausgleich und die Sammlung der Fragmente. Nietzsche als Ganzes in einem einzigen Satz, das könnte nur sein tiefster und zukünftigster sein: Nur als ästhetisches Phänomen ist das Dasein und die Welt ewig gerechtfertigt. « Das aber ist hellenisch.(..)uch Goethe sehen wir hier stehen. Seine Iphigenie ist
13 wenn wir uns jetzt einmal dem Wesen der griechischen Kunst zuwenden, so drückt der dorische Tempel ja nichts aus, er ist nicht verständlich, und die Säule ist nicht natür-lich, sie nehmen nicht einen konkreten politischen oder kultischen Willen in sich auf, sie sind überhaupt mit nichts parallel, sondern das Ganze ist ein S til, das heißt, es ist von innen gesehen ein bestimmtes Raumgefühl, eine bestimmte Raumpanik, und von außen gesehen sind es bestimmte An-lagen und Prinzipien, um das darzustellen, es auszudrük-ken, also es zu beschwören. Dieses Darstellungsprinzip stammt nicht mehr unmittelba
14 Alle Lust will Ewigkeit, sagte das vorige Jahrhundert, das neue fhrt fort: Alle Ewigkeit will Kunst. Die absolute Kunst, die Form. Doch palles Schöne ist schwer, und wer nietzsche, zarathustra: nachtwandler-lied

http://www.nietzschesource.org/#eKGWB/Za-IV-Nachtwandler-12

(1) annotations: benn, kilpper 1943 brief.pdf

paper: Benn (1971)
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1 AN G U S TAV K I L P P E R Landsberg #cite_benn_lyrik_1971__

(12) annotations: Gesammelte Werke Bd. 3 Gedichte by Gottfried Benn.pdf

paper: Benn (1960)
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219 VERLORENES ICH 1948
rönne: 1916

#cite_benn_gesammelte_1960__
219 auf deinem grauen Stein von Notre-Dame wasserspeier notre dame
219 Katalaunen neologism
219 Kaldaunen kutteln, innereien:rindermagen
219 Lamm lamda
220 Woher, wohin - nicht Nacht, nicht Morgen, kein Evoe, kein Requiem, du mochtest dir ein Stichwort borgen allein bei wem? evoe: freudenschrei des dionyskultes
220 o feme zwingende erfiillte Stunde, die einst auch das verlorne Ich umschlofi marginnote4app://note/D263ECE4-4818-4065-B55B-16CAB9502871
220 als sich alle einer Mitte neigten zerteilung, multiperspektive,individualisierung
1943: auch gleichschaltung, NS, massen / sehnsucht nach führung; benn: kritik
307 Von Blumen mufit du solche wahlen, die bluhn am Zaun und halb 1m Acker schon, die in das Zimmer tun, die Laute zahlen des Lebens Laute, seinen Ton:
307 Tiere, die Perlen bilden, sind versdilossen, sie liegen still und kennen nur die See
308 der Aon traumt, der Aon ist ein Knabe, der mit sich selbst auf einem Brette spielt
346 Ob Rosen, ob Schnee, ob Meere, was alles erbliihte, verblich, es gibt nur zwei Dinge: die Leere und das gezeichnete Ich. marginnote4app://note/80AF25DE-102C-4B8C-A51D-2E10DEED1BD5

(2) annotations: gesammelteschrif03wagn.pdf

paper: @
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20 Die Kunst und die Revolution #init_Wagner, Die Kunst und die Revolution_
21 2)er griecîfdê (SJeift, mie er fic§ gu feiner ^lütleêit in (taat?) unb ûnft gu erfennen gab, fanb, nadfjbem er bie roi§e laturreligion ber afiatifcên §eimat§ übermunben, unb hm ^’ömn unb ftarlea freien 3)Zenfdên auf bie ©piê feine§ religiöfen êmujßtfeinS ge= fteHt Iâtte, feinen entfpredênbften 2lu§brudf in SlpoUon, bem eigent^ liefen §aupt= unb 5flationaIgotte ber êHenifdên ©tämme.

(12) annotations: Günther 2008, Der Wettkampf.pdf

paper: Günther (2008)
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1 Günther
1 Friederike Felicitas Günther Rhythmus beim frühen Nietzsche #cite_gunther_rhythmus_2008__
5 Der Rhythmik gesteht er hier die Macht zu, den „Willen“, d.h. das unablässige ewige dionysische Werden als Naturkraft ohne Grenzen92 kurzzeitig zu unterbrechen.
6 Das Prinzip des Wettkampfes bringt es mit sich, dass zwei einzelne Gestalten aus der Masse als deutlich wahrnehmbare Individuen hervortreten, die als Einzelexistenzen im naturhaften ‚Kampf um’s Dasein‘ keinen Moment lang Bestand hätte
6 In der dionysischen Natur gleichen sich Schöpfung und Vernichtung in ihrer untrennbaren Dynamik einander an, die keiner Gestalt Dauer zugesteht.
9 Genuin kulturelle Faktoren – Tradition, Bildung und Ethik („Ehre“) stabilisieren jenen Rhythmus als Maß der Wettkämpfe, der die Natur am Ausbrechen ihrer vollen Potenz und Zerstörungskraft hindert
9 Denn die Natur kennt keine Feier des Siegers, sie kennt kein Tribunal, das ihn als solchen markiert und nach einiger Zeit in den nächsten Zweikampf schickt.
11 Das ästhetische Urteil über Homer als Prototyp des Dichters ist das Ergebnis eines Jahrhunderte währenden kulturell bedingten Selektions- und Bildungsprozesses, der nach und nach das Bild Homers als Inbegriff des Poeten hervortreten lässt
12 Der Held als Einzelner geht schicksalhaft unter; als Heldentypus aber trotzt er der unabänderlichen dionysischen Wahrheit des Untergangs, da er mit jeder Aufführung erneut ins Gedächtnis gerufen wird
12 Nietzsches Trennungslinie verläuft nicht cartesianisch zwischen dem Geist als Unvergänglichem und der Physis als Vergänglichem103, sondern zwischen anthropologischer apollinischer Gestaltungskraft einerseits und der dionysischen Natur in ihrer gestaltenfeindlichen Vergänglichkeit andererseits.
16 Das Instinktive ist insofern nicht als ‚natürlichere‘ Haltung gegenüber dem bewussten Handeln zu verstehen, sondern vielmehr als dessen nach und nach errungene körperliche Selbstverständlichkeit.
17 Die griechische Kultur scheint ein gelungenes Beispiel für einen Anpassungsprozess an die Zeitlichkeit, ohne durch diese Annäherung die eigene Identität dem Wandel der Zeit preiszugeben.

(4) annotations: hanna, reents (2016) benn handbuch.pdf

paper: Hanna and Reents (2016)
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83 Die Lyrikbände aus den Jahren des Publikationsverbots ab 1938 können keine breite Wirkung entfalten, da sie nur in wenigen hektographierten Exemplaren an Freunde wie Oelze und das Ehepaar Leonharda und Julius Gescher gehen (Biographische Gedichte, 1941) oder als Privatdruck in sehr kleiner Auflage verbreitet werden (Zweiundzwanzig Gedichte, 1943).
120 Benn schreibt hier Gedankenlyrik, auch wenn sie durch eine »Ambivalenz von sinnlicher Intensität und abstraktiver Reflexion« gekennzeichnet ist
120 Vier Hauptthemen sind in den Gedichten erkennbar: die elegische Bestimmung und Beschwörung einer Endzeit; das Poetologische; das Religiöse; und die Zeitgeschichte, vor allem der Triumph der Kunst über die Geschichte. Alle vier Themen gehören zusammen, denn die von Benn beschworene Dichtung ist eine spätzeitliche Dichtung, von Trauer eher als von Hoffnung bestimmt und erst in der Zeit des Verfalls entstanden. Sie ist vorwiegend resignativ gefärbt, da der Dichter nicht auf die Welt wirken kann. (..)(..)Trotz ihrer deutlichen Trennung sind Wirklichkeit und Kunst begrifflich verwoben.
120 die elegische Bestimmung und Beschwörung einer Endzeit; das Poetologische; das Religiöse; und die Zeitgeschichte, vor allem der Triumph der Kunst über die Geschichte

(58) annotations: Nietzsche - Über Wahrheit und Lüge-3ocrsncprev_1.pdf

paper: @
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4 f i i r jenen l ntel l el {t kei ne w ei tere M i s s i on, d i e i i b er d as M ens c h enl eb en h i nau s f i i h rte.
4 w enn es w i ed er m i t i h m vorb ei i s t, w i rd s i c h ni c h ts b egeb en h ab en
4 wie kläglich, wie schattenhaft und flüch- ΙΟtig, wie zwecklos und beliebig sich der menschliche intellekt inner- halb der natur ausnimmt
4 w i e kl agl i c h , w i e sc h attenh af t u nd f i i i c h 10 ti g, w i e zw ec kl os u nd b el i eb i g si c h d er m ens c h l i c h e l ntel l ekt i nner- _ h al b d er N atu r au s ni m m t
4 in irgend einem abgelegenen winkel des in zahllosen son- nensystemen flimmernd ausgegossenen weltalls gab es einmal ein gestirn, auf dem kluge thiere das erkennen erfanden
5 b rau c h t er ei nen F ri ed ens s c h l u s s
5 m i t d em Erkennen u nd Em p f i nd en verb u nd ene H oc h m tו th , ver­ b l end end e N eb el i i b er d i e Au gen u nd Si nne d er M ens c h e11 l egend , 10 tau s c h t si e al s o i i b er d e11 W erth d es D as ei ns , d ad u rc h d as s er i i b er d as Erkennen s el -b s t d i e s c h m ei c h el h af tes te W erth s c h atzu ng i וs i c h t _ragt
5 F ri ed ens s c h l u s s b ri ngt ab er etw as m i t si c h , w as w i e d er ers te Sc h ri tt zu r E. rl angu ng jenes ב5 rath s el h af ten W ah rh ei ts tri eb es au s s i eh t
5 f as t ni c l 1ts tזnb egrei f l i c h er i s t, al s w i e u nter d en M ens c h en ei n eh rl i c h er u 11d rei ner Tri eb zu r W a 1r­ l 1ei t au f kom m en ko11nte.
5 Sow ei t d as I nd i vi d u u m s i c h gegeni . i b er and ern I nd i vi d u en er­ h al ten w i l l , b enu tzte es i n ei nem nati i rl i c h en Zu s tand e d er D i nge d en I ntel l el {t zu m ei s t 11u r zu r V ers tel l u ng
5 gl ei c h m as s i g gi . i l ti ge u nd verb i nd l i c h e Bezei c h nu ng d er D i nge er­ f u nd en u n-d d i e G es etzgeb u ng d er Sp rac h e gi eb t au c h d i e ers ten G es etze d er W ah rh ei t:
5 M ens c l 1en kom m t d i es e V ers tel l u ngs ku ns t a.u f i h ren G i p f el : h i er i s t ,d i e Tau s c h u ng, d as Sc h m ei c h el n, Lu gen u nd T 1· i . i ge11, d as H i nter-d em -R i . i c ken-R ed en, d as R ep ras enti ren, d as i m erb orgte11 G l anze Leb en, d as M as ki rts ei n, d i e verh i . i l l end e Co11venti on, d as B i . i h nens p i el vor A nd eren u 11d vor s i c h s el b s t,
5 al l ge1 מei 11s te W i rl {u ng i s t Tau s c h u 11g
5 W o­ h er, i n al l erW el t, b ei d i es er Cons tel l ati סn d er Tri eb zu rW ah rh ei t
5 m i s s b rau c h t d i e f es te11 Conventi סnen
5 Contras t von W ah rh ei t u nd L i . i ge:
5 intellekt, als ein mittel zur erhaltung des individuums, entfaltet seine hauptkräfte in der verstellung
6 b ezei c h net nu r d i e R el ati onen d er D i nge zu d en M ens c h en u nd ni ו סm t Ztl d eren A u s d ru c ke d i e l c i i h n1 0 sten M etap h ern zt זH i i l f e.
6 Er b egeh rt d i e a11ge11eh m e11, Leb en 10 erh al tend en F ol gen d er W ah rh ei t; gegen d i e rei 11e f ol genl .os e Erkenntni s s i s t er gl ei c h gi i l ti g, gegen d i e vi el l ei c h t s c h ad l i c h en u nd zers torend en W ah rh ei ten s ogar f ei nd l i c h gesti m m t.
6 d as ganze M ateri al w ori n u nd w om i t sp ater d er M ens c h d e1· W ah rh ei t, d er F ors c l 1er, d er Ph i l os op h arb ei tet u nd b atו t, stam m t, w enn ni c h t at וs W ol kenl ( t זku ks h ei m , so d oc h jed en­ f al l s ni c l 1t au s d em W e~ en d e1· D i nge.
6 W en11 er s i c h ni c h t m i t d er W ah rh ei t i 11 d er F or 1n d er 10 Tau tol ogi e d . h . nרi t l eeren H i i l s en b eg11i i ge11 w i l l , so w i rd er ew i g I l l u s i onen f i . ir W ah rh ei ten ei nh and el n
6 w i e steh t es m i t jenen Conventi onen d er Sp rac h e? Si nd si e vi el ­ l ei c h t Erzeu gni s s e d er Erkenntni s s , d es W ah rh ei ts s i n1רes : d ec ken 15 s i c h d i e Bezei c h nu ngen u nd d i e D i 11ge? I s t d i e Sp rac h e d er ad a­ q u ate A u s d ru c k al l er R eal i taten
6 Ei n N ervenrei z zu erst i i b ertragen i n ei n B i l d ! erste M etap h er. D as Bi l d w i ed er nac h gef q rm t i n ei nem Lau t! Zw ei te M etap h er.
7 A l l es , w as d en M ens c h en gegen d as Th i er ab h eb t, h angt von d i es er F ah i gkei t ab , d i e ans c h au l i c h en M etap h ern zu ei nem Sc h em a zu verf l i i c h ti gen, al s o ei n Bi l d i n ei nen Begri f f au f zu l os en; i m B erei c h jener Sc h em ata nam l i c h i s t etw as m ogl i c l 1, w as ni em al s u nter d en 30 ans c l זau l i c h en ers te11 Ei 1 d וri . i c l i; .en gel i n,ge11 m oc h te: ei ne p y 1· am i ­ d al e O rd nu ng nac h Kas ten u nd G rad en au f zu b au en, ei ne neu e W el t von G es etze11; Pri vi l egi en, U nterord nu ngen, G ranzb es ti m 1nu ngen zu s c h af f en
7 d u rc h ei n V erges s en d es U nters c l זei d end en ge­ b i l d et u nd erw ec kt nu n d i e V orstel l u ng, al s ob es i n d er N atu r au s s er d en Bl attern etw as gab e, d as “B l att” w are, etw a ei ne U 1· ­ f orm , nac h d er al l e Bl atter gew eb t
7 was ist also wahrheit? ein bewegliches heer von metaphern, metonymien, anthropomorphismen kurz eine summe von menschlichen relationen, die, poetisch und rhetorisch gesteigert, übertragen, geschmückt wurden, und die nach langem gebrauche einem volke fest, canonisch und verbindlich dünken
7 was ist also wahrheit?
7 NA marginnote4app://note/E8B096DD-BDBB-451E-8B5A-4BF50BC68E85

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7 1 illusionen, von denen man vergessen hat, dass sie welche sind, metaphern, die abgenutzt und sinnlich kraftlos ge- worden sind, münzen, die ihr bild verloren haben und nun als metal, nicht mehr als münzen in betracht kommen
7 vorrede zu: was also ist wahrheit? (..)johannesev.(..)John 18 (KJV) - Pilate saith unto him, What. Retrieved from https://www.blueletterbible.org/kjv/jhn/18/38/s_1015038
7 das ,blatt” wäre, etwa eine ur- form, nach der alle blätter gewebt
7 J ed er B egri f f ents teh t d u rc l זG l ei c l זs etzen d es N i c h t-G l ei c h en.
8 N u r d u rc h d as V erges s en jener p ri m i ti ven M etap h erw el t, nu r d u rc h d as H art- u nd Starr-W erd en ei ner u rs p ri i ngl , i c h i n h i tzi ger F l i . i s s i gkei t au s d em U rverm ogen m ens c h l i c h er Ph antas i e h ervor­ strom end en B i l d erm as s e, nu r -d u rc h d e11 u nb es i egb aren G l au b en, d i e s e Sonne, d i e s e s F ens ter, d i es er Ti s c h s ei ei ne W ah rh ei t 30 an si c h , l {u rz nu r d ad u rc h , d as s d er M ens c h s i c h al s Su b jekt u nd zw ar al s k i i n s t 1 e r i s c h s c h a f f e n d e s Su b jekt vergi s st, l eb t er m i t ei ni ger R u h e, Si c h erh ei t u nd Cons eq u enz;
8 Sei n V erf ah ren i s t: d en M ens c l 1en al s M aas s an al l e D i nge zu h al ten, w ob ei er ab er von d em I rrth u m e au s geh t, zu gl au b en, er h ab e d i es e D i nge u nm i ttel b ar al s rei ne O b jekte vor s i c h . Er vergi s s t al s o d i e ori gi nal en A ns c h at1u ngs m etap h ern al s M etap h ern u nd ni m m t s i e al s d i e D i nge s el b s t.
8 jed e A ns c h au u ngs m etap h er i nd i vi d u el l u nd oh ne i h res G l ei c h en i s t u nd d es h al b al l em R u b ri c i ren i m m er zu entf l i eh en w ei s s , zei gt d er gros s e B au d er Begri f f e d i e starre 5 R egel m as s i gkei t ei nes rom i s c h en Col u m b ari u m s u nd ath m et i n d er Logi k jene Strenge u nd Ki . ih l e au s , d i e d er M ath em ati l c zu ei gen i s t.
8 als das residuum 1o einer metapher übrig bleibt, und dass die illusion der künstlerischen uebertragung eines nervenreizes in bilder, wenn nicht die mutter so doch die grossmutter eines jeden begriffs
8 : jedes volk über sich einen solchen mathematisch zertheilten begriffshimmel und versteht nun unter der forderung der wahrheit, dass jeder begriffsgott nur in seiner sphäre gesucht werde
8 . wie die römer und etrusker sich den him- mel durch starre mathematische linien zerschnitten und in einen solchermaassen abgegrenzten raum als in ein templum einen gott 20 bannten
8 nu r d ad u rc h , d as s d er M ens c h s i c h al s Su b jekt u nd zw ar al s k i i n s t 1 e r i s c h s c h a f f e n d e s Su b jekt vergi s st, l eb t er m i t ei ni ger R u h e, Si c h erh ei t u nd Cons eq u enz
9 w el c h e von b ei d en W el tp erc ep ti onen ri c h ti ger i s t, ei ne ganz s i nnl os e i s t, d a h i erzu b erei ts n1i t d en1 5 M aas s s tab e d er ri c h ti gen Perc ep ti on d . 11. 1ni t ei 11e1 וד11 i c h t \7 סr h a n d e 11 e n M aas s s tab e gem es s en w erd e11 m i i s s te.
9 d i e W i יs s ens c h af t w i rd ew i g i n d i es en Sc h ac h ten m i t E .rf ol g zu grab en h ab en u nd al l es יO G -ef u n: d ene w i rd zu s am m ens ti m m en u nd s i c h ni c h t w i , d ers p rec h en positivismus
9 zw i s c h en zw ei ab s ol tזt vers c l 1i e10 d enen Sp h aren w i e zw i s c h en Su b jel c t u nd O b jel ( t gi eb t es kei ne Cau s al ,i tat, kei ne R i c h ti gl c ei t, l c ei nen Au s d ru c l ( , s ond er 11 l 1oc h ­ s tens ei n a s t h e t i s c h e s V erh al te11,
9 gegen jed en d erarti gen I d eal i s 1nu s ei n ti ef es M i s s ­ trau en em p f u nd en, so of t er si c h ei nm al rec h t d eu tl i c h von d er ew i gen Cons eq u enz, Al l gegenw arti gkei t u nd U nf eh l b arkei t d er s N atu rges etze i i b erzeu gte;
9 w as i s t f i i r u ns i i b erh au p t ei n N atu 1י ges etz; es i s t u ns ni c h t an si c h b el ( annt, s ond ern nu r i n s ei nen W i rku ngen d . h . i n s ei nen R el ati onen Zt זand eren N atu rges etzen
9 verweisen alle diese relationen immer nur wieder auf einander und sind uns ihrem wesen nach 25 unverständlich durch und durch; nur das, was wir hinzubringen, die zeit, der raum, also successionsverhältnisse und zahlen sind uns wirklich daran bekannt.
10 wir an allen dingen eigentlich nur eben diese formen begreifen: denn sie alle müssen die gesetze der zahl an sich tragen, und die zahl gerade ist das erstaunlichste in den dingen
10 , so arbeitet die wissenschaft unaufhaltsam an jenem grossen 20 columbarium der begriffe
10 allem bemüht, jenes in’s ungeheure aufgethürmte fachwerk zu füllen und die ganze empirische welt d. h. die anthropomorphische welt hineinzuordnen
10 baut der forscher seine hütte dicht an den thurmbau der wissenschaft
10 trieb zur metapherbildung, jener fundamentaltrieb des menschen
10 verwirrt er die rubriken und zellen der begriffe dadurch ro dass er neue uebertragungen, metaphern, metonymien hinstellt, fortwährend zeigt er die begierde, die vorhandene welt des wachen menschen so bunt unregelmässig folgenlos unzusammen- hängend, reizvoll und ewig neu zu gestalten, wie es die welt des traumes ist.
10 die ganze natur umschwärmt
10 wenn jeder baum einmal als nymphe reden oder unter der hülle eines stieres ein gott 30 jungfrauen wegschleppen kann, wenn die göttin athene selbst plötzlich gesehen wird, wie sie mit einem schönen gespann in der begleitung des pisistratus durch die märkte athens fährt - und das glaubte der ehrliche athener - so ist in jedem augenblicke, wie im traume, alles möglich,
11 mensch selbst aber hat einen unbesiegbaren hang, sich täuschen zu lassen und ist wie bezaubert vor glück, wenn der rhapsode ihm epische märchen wie wahr erzählt oder der schau- spieler im schauspiel den könig noch königlicher agirt, als ihn die wirklichkeit zeigt
11 . jenes ungeheure gebälk und bretterwerk der begriffe, an das sich klammernd der bedürftige mensch sich durch das leben rettet, ist dem freigewordenen in- tellekt nur ein gerüst und ein spielzeug für seine verwegensten kunststücke:
11 während er nach mög- 30 lichster freiheit von schmerzen trachtet, erntet der intuitive mensch, inmitten einer kultur stehend, bereits von seinen intui- tionen, ausser der abwehr des uebels eine fortwährend einströ- mende erhellung, aufheiterung, erlösung.
11 menschen, als ob sie nur die maskerade der götter wäre
12 wie anders steht unter dem gleichen missgeschick der stoische, an 5 der erfahrung belehrte, durch begriffe sich beherrschende mensch da! er, der sonst nur aufrichtigkeit, wahrheit, freiheit von täu- schungen und schutz vor berückenden ueberfällen sucht, legt jetzt, im unglück, das meisterstück der verstellung ab, wie jener im glück; er trägt kein zuckendes und bewegliches menschenge- ro sicht, sondern gleichsam eine maske mit würdigem gleichmaasse der züge

(1) annotations: nietzsche KGW III-2, Nachgelassene Schriften 1870-1873.pdf

paper: @
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3 Nachgelassene Schriften 1870

(11) annotations: Nietzsche, Homers Wettkampf, KGW III.2.pdf

paper: Nietzsche (1973)
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1 Der Mensch, in seinen höchsten und edelsten 10 Kräften, ist ganz Natur und trägt ihren unheimlichen Doppeldiarakter an sidi. Seine furchtbaren und als unmenschlich geltenden Befähigungen sind vielleicht sogar der fruchtbare Boden, aus dem allein alle Humanität, in Regungen Thaten und Werken hervorwachsen kann
2 Warum jauchzte die ganze griechische Welt bei den Kampfbildern der Ilias?
3 wie sich in Wahrheit vom M o r d e und der Mordsühne aus der Begriff des griechischen Rechtes entwickelt hat, so nimmt aucái die edlere Kultur ihren ersten Siegeskranz vom
4 nichts scheidet die S griechische Welt so sehr von der unseren, als die hieraus abzuleitende F ä r b u n g einzelner ethisciier Begriffe z. B. der E r i s und des N e i d e s .
5 deren Bedeutung im Gegentheil damit umsdirieben ist, daß mit ihnen der Mensch η i e den Wettkampf wagen darf, er dessen Seele gegen jedes andre lebende Wesen eifersüchtig erglüht. Im Kampfe des Thamyris mit den Musen, 3° des Marsyas mit Apoll, im ergreifenden Sdhicksale der Niobe erschien das sdireckliche Gegeneinander der zwei Mächte, die nie mit einander kämpfen dürfen, von Mensch und Gott marginnote4app://note/B577EF2B-F3C2-4C22-9D87-ACBE417CFEBB
6 O s t r a k i s m o s scherbengericht
7 Das ist der Kern der hellenischen “Wettkampf-Vorstellung: sie verabsciieut die Alleinherrsdiafl: und fürditet ihre Gefahren, sie begehrt, als S c h u t z m i t t e l gegen das Genie — ein zweites Genie
7 Für die Alten aber war das 2 5 Ziel der agonalen Erziehung die “Wohlfahrt des Ganzen, der staatlichen Gesellsciiaft. Jeder Athener z. B. sollte sein Selbst im”Wettkampfe soweit entwickeln, als es Athen vom höchsten Nutzen sei und am wenigsten Schaden bringe.
9 Verhältniß des Wettkampfes zur Conception des Kunstwerkes
10 daß ohne Neid Eifersucht und wettkämpf enden Ehrgeiz der hellenische Staat wie der hellenische Mensch entartet. Er wird böse und grausam, er wird rachsüchtig und gottlos, kurz, er wird „vorhomerisch”
10 Sparta und Athen liefern sich an Persien aus, wie es Themistokles und Alkibiades gethan haben; sie verrathen das Hellenische, nachdem sie den edelsten hellenischen Grundgedanken, den Wettkampf, aufgegeben haben: und Alexander, die vergröbernde Copie und Abbreviatur der griechischen Geschichte, 2j erfindet nun den Allerwelts-Hellenen und den sogenannten „Hellenismus”

(71) annotations: nietzsche, kga 3-1, geburt d tragödie.pdf

paper: Nietzsche (2024)
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7 nietzsche_kga_2024 #init_Geburt der Tragödie__
#cite_nietzsche_kga_2024__
10 Ist Pessimismus n o t h w e n d i g das Zeichen des Niedergangs, Verfalls, des Missrathenio seins, der ermüdeten und geschwächten Instinkte? — wie er es bei den Indern war, wie er es, allem Anschein nach, bei uns, den „modernen” Menschen und Europäern ist? Giebt es einen Pessimismus der S t ä r k e ? Eine intellektuelle Vorneigung für das Harte, Schauerliche, Böse, Problematische des Daseins aus Wohlsein, aus 15 überströmender Gesundheit, aus F ü l l e des Daseins? Giebt es vielleicht ein Leiden an der Ueberfülle selbst?
10 Und die Wissenschaft selbst, unsere Wissenschaft — ja, was bedeutet überhaupt, als Symptom des Lebens angesehn, alle Wissenschaft? Wozu, schlimmer noch, w o h e r — alle Wissenschaft?
10 Phänomen des Dionysischen? Was, aus ihm geboren, die Tragödie?
10 Was bedeutet, gerade bei den Griechen der besten, stärksten, tapfersten Zeit, der t r a g i s c h e Mythus?
11 Eine feine Nothwehr gegen — die W a h r h e i t ? #ref> wahrheit und lüge i. a. sinne
11 das Problem der Wissenschaft kann nicht auf dem Boden der Wissenschaft erkannt werden
12 ein hochmüthiges und schwärmerisches Buch, das sich gegen das profanum vulgus der „Gebildeten” von vornherein noch mehr als gegen das „Volk” abschliesst,
12 Aufgabe selbst nicht fremder wurde, an welche sich jenes verwegene Buch zum ersten Male herangewagt hat, — d i e W i s s e n s c h a f t u n t e r d e r O p t i k d e s K ü n s t l e r s zu s e h n , d i e K u n s t a b e r u n t e r d e r d e s L e b e n s
14 Wie? wenn die Griechen, gerade im Reichthum ihrer Jugend, den Willen z u m Tragischen hatten und Pessimisten waren?
14 das V e r l a n g e n n a c h d e m H ä s s l i c h e n , der gute strenge Wille des älteren Hellenen zum Pessimismus, zum tragischen Mythus, zum Bilde alles Furchtbaren, Bösen, Räthselhaften, Vernichtenden, Verhängnissvollen auf dem Grunde des 5 Daseins, — woher müsste dann die Tragödie stammen?
14 welche Bedeutung hat dann, physiologisch gefragt, jener Wahnsinn, aus dem die tragische wie die komische Kunst erwuchs, der dionysische Wahnsinn?
15 Was bedeutet, unter der Optik des L e b e n s gesehn, — die Moral?
15 dass nur als ästhetisches Phänomen das Dasein der Welt g e r e c h t f e r t i g t ist.
16 Christenthum war von Anfang an, wesentlich und gründlich, Ekel und Ueberdruss des Lebens am Leben,
16 es giebt zu der rein ästhetischen Weltauslegung und Welt-Rechtfertigung, wie sie in diesem Buche gelehrt wird, keinen grösseren Gegensatz als die christliche Lehre, welche n u r moralisch ist und sein will und mit ihren absoluten Maassen, zum Beispiel schon mit ihrer Wahrhaftigkeit Gottes, die Kunst, j e d e Kunst in’s Reich der L ü g e verweist,
16 die Moral selbst in die Welt der Erscheinung zu setzen, herabzusetzen und nicht nur unter die „Erscheinungen” (im Sinne des idealistischen terminus technicus), sondern unter die „Täuschungen”, als Schein, Wahn, Irrthum, Ausdeutung, Zurechtmachung, Kunst.
16 das Christenthum als die ausschweifendste Durchfigurirung des moralischen Thema’s, welche die Menschheit bisher anzuhören bekommen hat.
17 vor der Moral (in Sonderheit christlichen, das heisst unbedingten Moral) m u s s das Leben beständig und unvermeidlich Unrecht bekommen, weil Leben etwas essentiell Unmoralisches i s t , — m u s s endlich das Leben, erdrückt unter dem Gewichte der Verachtung und des ewigen Nein’s, als begehrens-unwürdig, als unwerth an sich empfunden werden.
17 eine grundsätzliche Gegenlehre und Gegenwerthung des Lebens, eine rein artistische, eine a n t i c h r i s t l i c h e . Wie sie nennen? Als Philologe und Mensch der Worte taufte ich sie, nicht ohne einige Freiheit — denn wer wüsste den rechten Namen des Antichrist? — auf den Namen eines griechischen Gottes: ich hiess sie die d i o n y s i s c h e .
18 wie müsste eine Musik beschaffen sein, welche nicht mehr romantischen Ursprungs wäre, gleich der deutschen, — sondern d i o n y s i s c h e n ?
18 jetzigen d e u t s c h e n M u s i k , als welche Romantik durch und durch ist und die ungriechischeste aller möglichen Kunstformen
18 zu einer Zeit, wo der deutsche Geist, der nicht vor Langem noch den Willen zur Herrschaft über Europa, die Kraft zur Führung Europa’s gehabt hatte, eben letztwillig und endgültig a b d a n k t e und, unter dem pomphaften Vorwande einer Reichs-Begründung, seinen Uebergang zur Vermittelmässigung, zur Demokratie und den „modernen Ideen” machte!
20 Das Lachen sprach ich heilig: ihr höheren Menschen, l e r n t mir — lachen!
20 Aber es ist sehr wahrscheinlich, dass es so e n d e t , dass i h r so endet, nämlich „getröstet”, wie geschrieben steht, trotz aller Selbsterziehung zum Ernst und zum Schrecken, „metaphysisch getröstet”, kurz, wie Romantiker enden, c h r i s t l i c h
24 Diesen Ernsthaften diene zur Belehrung, dass ich von der Kunst als der höchsten Auf15 gäbe und der eigentlich metaphysischen Thätigkeit dieses Lebens im Sinne des Mannes überzeugt bin, dem ich hier, als meinem erhabenen Vorkämpfer auf dieser Bahn, diese Schrift gewidmet haben will.
25 Fortentwickelung der Kunst an die Duplicität des A p o l l i n i s c h e n und des D i o n y s i s c h e n gebunden ist: in ähnlicher Weise, wie die Generation von der Zweiheit der Geschlechter, bei fortwährendem Kampfe und nur periodisch eintretender Versöhnung, abhängt.
25 Erkenntniss, dass in der griechischen Welt ein ungeheurer Gegensatz, nach Ursprung und Zielen, zwischen der Kunst des Bildners, der apollinischen, und der unbildlichen Kunst der Musik, als der des Dionysus, besteht: beide so verschiedne Triebe gehen neben einander her, zumeist im offnen Zwiespalt mit einander und sich gegenseitig zu immer neuen kräftigeren Geburten reizend, um in ihnen den Kampf jenes Gegensatzes zu perpetuiren, den das gemeinsame Wort „Kunst” nur scheinbar überbrückt;
26 Der schöne Schein der Traumwelten, in deren Erzeugung jeder Mensch voller Künstler ist, ist die Voraussetzung aller bildenden Kunst, ja auch, wie wir sehen werden, einer wichtigen Hälfte der Poesie.
26 in dieser Paarung zuletzt das ebenso dionysische als apollinische Kunstwerk der attischen Tragödie erzeugen.
26 denken wir sie uns zunächst als die getrennten Kunstwelten des T r a u m e s und des R a u s c h e s ;
27 beherrscht auch den schönen Schein der inneren Phantasie-Welt
27 freudige Nothwendigkeit der Traumerfahrung ist gleichfalls von den Griechen in ihrem Apollo ausgedrückt worden: Apollo, als der Gott aller bildnerischen Kräfte, ist zugleich der wahrsagende Gott
27 alle Dinge als blosse Phantome oder Traumbilder vorkommen, als das Kennzeichen philosophischer Befähigung
27 freudige
27 Wie nun der Philosoph zur Wirklichkeit des Daseins, so verhält sich der künstlerisch erregbare Mensch zur Wirklichkeit des Traumes;
28 Wenn wir zu diesem Grausen die wonnevolle Verzückung hinzunehmen, die bei demselben Zerbrechen des principii individuationis aus dem innersten Grunde des Menschen, ja der Natur emporsteigt, so thun wir einen Blick in das Wesen des D i o n y s i s c h e n , das uns am nächsten noch durch die Analogie des R a u s c h e s gebracht wird.
28 darf nicht im Bilde des Apollo fehlen: jene maassvolle Begrenzung, jene Freiheit von den wilderen Regungen, jene weisheitsvolle Ruhe des Bildnergottes
28 Apollo als das herrliche Götterbild des principii individuationis bezeichnen, aus dessen Gebärden und Blicken die ganze Lust und Weisheit des „Scheines”, sammt seiner Schönheit, zu uns spräche
29 bei dem gewaltigen, die ganze Natur lustvoll durchdringenden Nahen des Frühlings erwachen jene dionysischen Regungen, in deren Steigerung das Subjective zu völliger Selbstvergessenheit hinschwindet
30 Diesen unmittelbaren Kunstzuständen der Natur gegenüber ist jeder Künstler „Nachahmer”, und zwar entweder apollinischer Traumkünstler oder dionysischer Rauschkünstler oder endlich — wie beispielsweise in der griechischen Tragödie — zugleich Rausch- und Traumkünstler
30 die Kunstgewalt der ganzen Natur, zur höchsten Wonnebefriedigung des Ur-Einen, offenbart sich hier unter den Schauern des Rausches
32 beschränkte sich das Wirken des delphischen Gottes darauf, dem gewaltigen Gegner durch eine zur rechten Zeit abgeschlossene Versöhnung die vernichtenden Waffen aus der Hand zu nehmen.
32 erkennen wir jetzt, im Vergleiche mit jenen babylonischen Sakäen und ihrem Rückschritte des Menschen zum Tiger und Affen, in den dionysischen Orgien der Griechen die Bedeutung von Welterlösungsfesten und Verklärungstagen
32 Es ist die dorische Kunst, in der sich jene majestätisch-ablehnende Haltung des Apollo verewigt hat.
32 Fast überall lag das Centrum dieser Feste in einer überschwänglichen geschlechtlichen Zuchtlosigkeit, deren Wellen über jedes Familienthum und dessen ehrwürdige Satzungen hinweg flutheten; gerade die wildesten Bestien der Natur wurden hier entfesselt, bis zu jener abscheulichen Mischung von Wollust und Grausamkeit, die mir immer als der eigentliche „Hexentrank” erschienen ist
32 Es war die Versöhnung zweier Gegner, mit scharfer Bestimmung ihrer von jetzt ab einzuhaltenden Grenzlinien und mit periodischer Uebersendung von Ehrengeschenken; im Grunde war die Kluft nicht überbrückt.
33 Die Musik des Apollo war dorische Architektonik in Tönen, aber in nur angedeuteten Tönen, wie sie der Kithara zu eigen sind. Behutsam ist gerade das Element, als unapollinisch, ferngehalten, das den Charakter der dionysischen Musik und damit der Musik über25 haupt ausmacht, die erschütternde Gewalt des Tones, der einheitliche Strom des Melos und die durchaus unvergleichliche Welt der Harmonie.
34 als sich ihm das Grausen beimischte, dass ihm jenes Alles doch eigentlich so fremd nicht sei, ja dass sein apollinisches Bewusstsein nur wie ein Schleier diese dionysische Welt vor ihm verdecke.
36 Wie anders hätte jenes so reizbar empfindende, so ungestüm begehrende, zum L e i d e n so einzig befähigte Volk das Dasein ertragen können, wenn ihm nicht dasselbe, von einer höheren Glorie umflossen, in seinen Göttern gezeigt worden wäre.
36 So rechtfertigen die Götter das Menschenleben, indem sie es selbst leben —die allein genügende Theodicee!
37 In den Griechen wollte der „Wille” sich selbst, in der Verklärung des Genius und der Kunstwelt, anschauen; um sich zu verherrlichen, mussten seine Geschöpfe sich selbst als verherrlichenswerth empfinden,
37 Die homerische „Naivetät” ist nur als der vollkommene Sieg der apollinischen Illusion zu begreifen: es ist dies eine solche Illusion, wie sie die Natur, zur Erreichung ihrer Absichten, so häufig verwendet
38 Je mehr ich nämlich in der Natur jene allgewaltigen Kunsttriebe und in ihnen eine inbrünstige Sehnsucht zum Schein, zum Erlöstwerden durch den Schein gewahr werde, um so mehr fühle ich mich zu der metaphysischen Annahme gedrängt, dass das WahrhaftSeiende und Ur-Eine, als das ewig Leidende und Widerspruchsvolle, zugleich die entzückende Vision, den lustvollen Schein, zu seiner steten Erlösung braucht:
39 muss uns jetzt der Traum als der S c h e i n des S c h e i n s , somit als eine noch höhere Befriedigung der Urbegierde nach dem Schein hin gelten
39 die ganze Welt der Qual nöthig ist, damit durch sie der Einzelne zur Erzeugung der erlösenden Vision gedrängt werde
40 neben der ästhetischen Nothwendigkeit der Schönheit die Forderung des „Erkenne dich selbst” und des „Nicht zu viel!” her, während Selbstüberhebung und Uebermaass als die eigentlich feindseligen Dämonen der nicht-apollinischen Sphäre, daher als Eigenschaften der vor-apollinischen Zeit, des Titanenzeitalters, und der ausser-apollinischen Welt d. h. der Barbarenwelt, erachtet wurden.
40 Apollo, als ethische Gottheit, fordert von den Seinigen das Maass und, um es einhalten zu können, Selbsterkenntniss.
41 denken wir uns, was diesem dämonischen Volksgesange gegenüber der psalmodirende Künstler des Apollo, mit dem gespensterhaften Harfenklange, bedeuten konnte! Die Musen der Künste des „Scheins” verblassten vor einer Kunst, die in ihrem Rausche die Wahrheit sprach, die Weisheit des Silen rief Wehe! Wehe! aus gegen die heiteren Olympier
41 nur in einem unausgesetzten Widerstreben gegen das titanisch-barbarische Wesen des Dionysischen konnte eine so trotzig-spröde, mit Bollwerken umschlossene Kunst, eine so kriegsgemässe und herbe Erziehung, ein so grausames und rücksichtsloses Staatswesen von längerer Dauer sein
42 Homer, der in sich versunkene greise Träumer, der Typus des apollinischen, naiven Künstlers, sieht nun staunend den leidenschaftlichen Kopf des wild durch’s Dasein getriebenen 3° kriegerischen Musendieners Archilochus
42 das erhabene und hochgepriesene Kunstwerk der a t t i s c h e n T r a g ö d i e und des dramatischen Dithyrambus, als das gemeinsame Ziel beider Triebe, deren io geheimnissvolles Ehebündniss
42 Wenn auf diese Weise die ältere hellenische Geschichte, im Kampf jener zwei feindseligen Principien, in vier grosse Kunststufen zerfällt: so sind wir jetzt gedrängt, weiter nach dem letzten Plane dieses Werdens und Treibens zu fragen, falls uns S nicht etwa die letzterreichte Periode, die der dorischen Kunst, als die Spitze und Absicht jener Kunsttriebe gelten sollte: und hier bietet sich unseren Blicken das erhabene und hochgepriesene Kunstwerk der a t t i s c h e n T r a g ö d i e und des dramatischen Dithyrambus, als das gemeinsame Ziel beider Triebe, deren io geheimnissvolles Ehebündniss, nach langem vorhergehenden Kampfe, sich in einem solchen Kinde — das zugleich Antigone und Kassandra ist — verherrlicht hat.
42 dem „objectiven” Künstler der erste „subjective” entgegen gestellt sei
43 in jeder Art und Höhe der Kunst vor allem und zuerst Besiegung des Subjectiven, Erlösung vom „Ich” und Stillschweigen jedes individuellen Willens und Gelüstens fordern, ja ohne Objectivität, ohne reines interesseloses Anschauen nie an die geringste wahrhaft künstlerische Erzeugung glauben können.
44 jetzt aber wird diese Musik ihm wieder wie in einem g l e i c h n i s s a r t i g en T r a u m b i l d e , unter der apollinischen Traumeinwirkung sichtbar. Jener bild- und begrifflose Wiederschein des Urschmerzes in der Musik, mit seiner Erlösung im Scheine, erzeugt jetzt eine zweite Spiegelung, als einzelnes Gleichniss oder Exempel.
44 Der Plastiker und zugleich der ihm verwandte Epiker ist in das reine Anschauen der Bilder versunken. Der dionysische Musiker ist ohne jedes Bild völlig nur selbst Urschmerz und Urwiederklang desselben
47 dass der ganze Gegensatz, nach dem wie nach einem Werthmesser auch noch Schopenhauer die Künste eintheilt, der des Subjectiven und des Objectiven, überhaupt in der Aesthetik ungehörig ist, da das Subject, das wollende und seine egoistischen Zwecke fördernde Individuum nur als Gegner, nicht als Ursprung der Kunst gedacht werden kann.
47 die Lyrik als eine unvollkommen erreichte, gleichsam im Sprunge und selten zum Ziele kommende Kunst charakterisirt wird, ja als eine Halbkunst, deren W e s e n darin bestehen solle, dass das Wollen und das reine Anschauen d. h. der unaesthetische und der aesthetische Zustand wundersam durch einander gemischt seien?
47 denn nur als a e s t h e t i s c h e s P h ä n o m e n ist das Dasein und die Welt ewig g e r e c h t f e r t i g t :
109 Wir sind wirklich in kurio zen Augenblicken das Urwesen selbst und fühlen dessen unbändige Daseinsgier und Daseinslust; der Kampf, die Qual, die Vernichtung der Erscheinungen dünkt uns jetzt wie nothwendig, bei dem Uebermaass von unzähligen, sich in’s Leben drängenden und stossenden Daseinsformen, bei der überschwänglichen Frucht15 barkeit des Weltwillens;

(20) annotations: nietzsche, lyrik, benn, benne.zittel (2017).pdf

paper: Hertel (2017)
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507 1907 kamen Benn in der von Hans Benzmann zusammengestellten Anthologie Moderne deutsche Lyrik Texte von 165 Autoren vor Augen – und er erinnert sich: »Else Lasker-Schüler war schon vertreten, der junge Rilke, der junge Hofmannsthal, auch Nietzsche war dabei«
508 Buch von Ernst Bertram – ›Nietzsche, Versuch einer Mythologie‹, erschienen 1918« (SW V, 199).3 Unter den Gedichten, die in diesem Buch von Bertram behandelt wurden, fand er u. a. »Sils-Maria« und »Das Wort«. In dem letztgenannten Gedicht diagnostiziert Nietzsche, dass das dichterische Wort »oft schon an bösen Blicken« stirbt
508 Benns Affinität zu Nietzsche wuchs scheinbar in den Phasen als die »kultische Verehrung im ganzen« nachließ »und überhaupt die Fieberkurve der Nietzsche-Rezeption deutlich« sank
508 Lasker-Schüler war eine emphatische Anhängerin von Nietzsche. 1907 konnte Benn z. B. in ihrem Gedicht »Weltende« lesen: »als ob der liebe Gott gestorben war«
508 Rückblickend stellte sie fest: »Nietzsche hat die Sprache geschaffen, in der wir alle dichten«
508 Im Kontext der damaligen Sprachkrise5 stellte der Kontrast zwischen fadem Alltagsgerede einerseits sowie andererseits einer formbewussten, artistischen Sprache, welche lebendige Worte heranspringen lässt, eine Herausforderung dar. Benn war empfänglich für an- und aufregende Worte, die Blutdruck und Neurotransmitter in Wallung bringen
508 Seine Rezeption war u. a. durch Empathie mit dem unzeitgemäßen Einzelgänger verbunden und wurde von Reflexionen begleitet, die Kunst-Theorie und Praxiserfahrungen abglichen
509 Klabund hatte bereits 1912 die Fröhliche Wissenschaft gelesen. Er schrieb dann z. B. 1920: »Nietzsche […] ist mit der musikalischen und rhythmischen Prosa seines ›Zarathustra‹ der Lehrmeister der jungen und jüngsten Dichtung geworden.
509 Gedicht »Vereinsamt« (bzw. »Die Krähen schrei’n«). (..)(..)Ein Vers aus diesem Gedicht hatte Benn jahrelang beschäftigt. Er erklärte: »Ich schüttle mir das nicht aus dem Ärmel, was ich jetzt sage, ich habe jahrelang darüber nachgedacht, ich habe jahrelang über den Vers nachgedacht: ›Wer das verlor, was ich verlor, macht nirgends halt‹«
509 beide waren fasziniert von Nietzsche, von seinem »Stil!«, von den »tödlich beschwingten Rhythmen und Akzenten
510 Ich glaube, daß Lyrik ohne Theorie der Lyrik überhaupt bei einem größeren Lyriker nicht mehr möglich ist«
510 Benn suchte Zeichen-Material, ließ sich ansprechen (von sprachlichen Reizen verführen) und hatte insbesondere bestimmte Worte im Visier, die er zum Gedicht-Bau nutzen konnte. Der Rezeptionsmodus bildete also zugleich das Paradigma für seine Lyrik-Produktion. Gedankliche Vorarbeiten, Notizen, Essays gehören zum modernen Dichten. Benn berief sich mit dieser Auffassung ausdrücklich auf Nietzsche und erläuterte, dass er »überhaupt die Kombination von Lyrik und Essay« als »das spezifisch Moderne« empfinde
510 In seinem Gedicht »NUR ZWEI DINGE« (1953) finden sich Verse, die auf jene »ewige Frage: wozu?« (SW I, 320) reagieren. (..)(..)Hier könnte also ein weiterer Bezug zu dem Nietzsche-Gedicht »Vereinsamt« hergestellt werden
510 wurde von Benn Gott als (vollendete) Form11 bestimmt und Nietzsches These ernst genommen, der zufolge Dasein und Welt nur »als aesthetisches Phänomen« gerechtfertigt sind12
514 Bei den Deutungsversuchen sollte jedoch nicht unbeachtet bleiben, welche Bedeutungen Nietzsche und Benn dem Leid bzw. dem Leiden beigemessen haben. Nietzsche verwies schon in der Geburt der Tragödie darauf, dass das »Talent zum Leiden und zur Weisheit des Leidens« als ein Korrelat zum künstlerischen Talent angesehen werden kann
515 Auch Benn konnte durch den Sprach-Rhythmus gewichtige Themen (Zeit, Schicksal, Tod, Leiden) mit geistiger Leichtigkeit ansprechen. Dabei gilt freilich für ihn (wie für Hölderlin), dass seine Verse »substanzlos sind, nahezu ein Nichts, um ein Geheimnis geschmiedet, das nie ausgesprochen wird und das sich nie enthüllt« (SW III, 329). Benn serviert keine Botschaften, die eindeutig dechiffrierbar sind, sondern bringt Semantik zum Schwingen
518 drückte er u. a. in folgendem Vers aus: »man sage nicht, der Geist kann es erreichen, / er gibt nur manchmal kurzbelichtet Zeichen« (SW I, 285). Diese Sprach-Zeichen sind nicht auf provokante, aufregende ›Wallungsworte‹ beschränkt. Ihre Semantik berührt weiterreichende Dimensionen30. Im 20. Jahrhundert gab es nämlich neue Möglichkeiten für Diskurse der Dichtkunst. Benn konnte in dem Freiraum, den Nietzsche (mit) erschlossen hatte, weit ausholen. Die »Befreiung von Zwecken« ist »zum letzten Zweck der Lyrik in der Moderne« geworden
519 Nietzsche und Benn nutzten in ihren Gedichten diese erweiterten ästhetischen Möglichkeiten ausgiebig. (..)(..)Laut Schlaffer schafft der Dichter »eine moderne Entsprechung zur archaischen Geistersprache: eine geheimnisvolle Kommunikation mit einem ihm zugänglichen, allen anderen verborgenen Adressaten. Dieser Adressat ist niemand anders als der Dichter selbst. Er, der letzte Repräsentant jenseitiger Geister in einer entgeisterten Welt, führt im Gedicht ein Selbstgespräch«
519 Außerdem ist für Benn »das moderne Gedicht, das absolute Gedicht […] an niemanden gerichtet, ein Gedicht aus Worten, die Sie faszinierend montieren« (SW VI, 239). Diese »monologische« Dichtkunst ist »an die Muse gerichtet, und diese ist unter anderem dazu da, die Tatsache zu verschleiern, daß Gedichte an niemanden gerichtet sind« (ebd.). War Nietzsche für Benn eine ›Muse‹? Man kann auch fragen: Betreibt Benn mit seinen lyrischen Anschlüssen an (und gedanklichen Antworten auf) Nietzsche eine Art Ahnenkult? Der Sprach-Baumeister Nietzsche hatte selbst ein Muster vorgezeichnet, welches dies nahelegt: »Für wen baut der Baumeister? […] Ich glaube er baut für den nächsten grossen Baumeister
520 In der Nachfolge von Nietzsche forschte er mit seinen dichterischen Experimenten insbesondere danach, wie Kreativität generiert wird bzw. wie die ›schöpferische Lust‹ zur Geltung kommt. Bei seinen Reflexionen gelangte er an die Grenzen dessen, was sich mit (Natur-)Wissenschaft beschreiben und erklären lässt. Er versuchte mit magischen Worten und faszinierenden Formen über diese Barrieren hinauszugelangen. Benn hat poetische Experimente durchgeführt, um dem (normalerweise) Unsagbaren nachzuspüren. Dabei schuf er ›merk-würdige‹ Gedichte, die noch heute Anregungspotenzial besitzen und die quasi als Aufputschmittel für Schöpfertum wirken können

(3) annotations: roth, roesler (2020) neudeutsche schule.pdf

paper: Von Roth and Roesler (2020)
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3 Die Neudeutsche Schule – Phänomen und Geschichte #cite_von_roth_neudeutsche_2020__
554 Vgl. Wagner 1849 Kunst und Revolution; Wagner 1850 Kunstwerk der Zukunft. Als Ideal beschreibt Wagner darin, wie im antiken Griechenland die Menschen im Theater zusammenkamen, um die Tragödie im Rahmen der großen Dionysien zu zelebrieren:
2002 Wagner 1849 Kunst und Revolution (..) Wagner, Richard: Die Kunst und die Revolution, Leipzig 1849, in: Wagner-Schriften 3, S. 8–41.

(66) annotations: scheibenberger, nietzsche WL kommentar.pdf

paper: Scheibenberger (2016)
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9 entscheidenden Segmentes der Geschichte der Philosophie und der Literatur voraus, nämlich der Sprachkrise im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert
9 Vergleichsgröße, so doch zu einem bedeutenden Bezugspunkt für verschiedene – fachwissenschaftliche – Bereiche der Philosophie, der Ästhetik, der Sprach- und der Moralphilosophie
9 multilineare Struktur und die Fähigkeit, im Inneren der Schrift zahlreiche Ausstrahlungszentren zusammenzuhalten
10 Bewegung von Singularisierung und Pluralisierung, welche sich aus der ambivalenten Unzeitgemäßheit dieser Schrift ergibt, versucht Nietzsche autoreflexiv in ein vielschichtiges, aporetisches (mit einem Wort: ästhetisches) Terrain einzubetten: in die Metapher
14 PHG Nietzsche, Friedrich: Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen [1873], in: KSA 1, S. 799–872.
19 Das Druckmanuskript von UB I diktierte N. zusammen mit WL wohl im Juni desselben Jahres in Basel an Gersdorff. N.s Diktat von WL lagen frühere Aufzeichnungen aus dem Sommer 1872 und Vorfassungen aus dem Winter 1872/ 1873 zugrunde, darüber hinaus lassen sich WL vorbereitende Gedanken in verschiedenen Kontexten nachweisen. Am 12. Juli ziehen sich N. und Gersdorff N.s zunehmender Augenprobleme wegen für einen Monat nach Flims in Graubünden zurück, wo später auch Romundt und N.s Schwester Elisabeth dazustoßen
20 der auf den ersten Seiten des Großoktavhefts U II 2 (GSA 71/112) niedergeschriebenen Reinschrift von Gersdorffs Hand (RsG, vgl. Abb. 8–39) entspricht, die Colli und Montinari als Vorlage des edierten Textes diente.
20 N.s Handschrift Rs (vgl. Abb. 1–6) aus der Blätter-Sammlung Mp XII 4
21 Zunächst „geheim“ (MA II Vorrede 1, KSA 2, 370, 17) gehalten
21 im November 1895
21 WL eigentlich zu N.s umfangreichen Vorarbeiten zu der ursprünglich als „Philosophenbuch“ angelegten Schrift PHG vom Frühjahr 1873 gehörten, dann aber ausgegliedert wurden
21 , dass die Entwürfe zu WL eigentlich zu N.s umfangreichen Vorarbeiten zu der ursprünglich als „Philosophenbuch“ angelegten Schrift PHG vom Frühjahr 1873 gehörten, dann aber ausgegliedert wurden. 1903 erscheint WL das zweite Mal, auch hier verbunden mit Plänen und Studien zum „Philosophenbuch“ (GoA und KoA Abt. 2, Bd. 10: „Nachgelassene Werke aus den Jahren 1872/73–1875/76“). Ein drittes Mal erscheint WL in der von Elisabeth Förster-Nietzsche veranstalteten Ausgabe von 1906, wobei WL jetzt dem GT zugehörigen „Nachlaß 1869–1873“ zugerechnet wird. In den folgenden Ausgaben wird WL gemeinsam mit den Unzeitgemäßen, als GT zugehörende Frühschrift, unter den Nachgelassenen Fragmenten oder mit der Schrift Über das Pathos der Wahrheit herausgegeben (vgl. die „Ausgaben von WL“ in der Bibliographie). WL erhält so stärker den Charakter einer selbstständigeren Schrift, als das in den ersten Ausgaben noch der Fall war, die WL vornehmlich als ursprünglichen Bestandteil des „Philosophenbuchs“ vorstellten.
22 Bei den Vorplatonikern macht N. einzeltypische Denk- und Lebensformen aus, die auf „lauter Übertragungen des Menschen auf die Natur“ (KSA 7 , 19[134], 462, 8–9) basieren. Deren ästhetische und damit veritative Dimension gehe mit Sokrates verloren
22 sucht N. zu beweisen, wie durch metaphysische Annahmen die von den Wissenschaften behauptete „strenge Nothwendigkeit fortwährend unterbrochen wird“
23 . In WL nun geht es N.(..)(..)darum, die Sprache selbst „ u n t e r d e r O p t i k d e s K ü n s t l e r s z u s e h n “
23 Leitgedanken der Tragödienschrift, die Konzeption eines apollinischen und dionysischen Prinzips, spiegelt sich in WL im Entwurf des vernünftigen und des intuitiven Menschen, in der Vorstellung von einem rationalen Römertum und einem naturhaften Griechentum als sich komplementär ergänzenden ‚Antiken‘
23 Generalthese des Paragraphen, „daß die R h e t o r i k e i n e F o r t b i l d u n g d e r i n d e r S p r a c h e g e l e g e n e n K u n s t m i t t e l i s t “ , es folglich „keine unrhetorische ‚Natürlichkeit‘ der Sprache“ (KGW II/4, 425), sondern nur immer Figuration gebe
23 These von der grundsätzlichen Rhetorizität der Sprache
24 WL führt die Frage „Was ist also Wahrheit?“ (880, 30) zur Metapher als exemplum und andeutenden Umschreibung eines allgemeinen Phänomens hin, von dem die Sprache nur einen besonderen Aspekt darstellt
25 Auch während der Arbeit am Zarathustra im Sommer/Herbst 1884 begründet N. die Nicht-Veröffentlichung von WL durch die ‚Unzeitgemäßheit‘ der Schrift:
25 N.s Unstetigkeit in theoretischen Fragestellungen begründen, die sich auch in den Schriften im Umkreis von WL zeigt
26 einzige Quelle, die N. in WL (neben der Erwähnung Lessings und Chladnis) explizit anführt, ist Pascal
26 Einfluss von Gerbers Generalthese, alle Sprache sei wesentlich Rhetorik
26 Für den jungen N. maßgebend ist Schopenhauers Kritik am Rationalismus, sowie der Ausnahme-Status, den dieser der Musik als metaphysischer Kunst
26 Gymnasialdirektors Gustav Gerber
27 Schopenhauers Einfluss deutlich aus N.s Abwertung des Intellekts gegenüber der Triebsphäre sowie aus dem Primat erkennen, den N.(..)(..)der sinnlichen Wahrnehmung gegenüber jedem abstrakten Begriffsbau einräumt
28 Friedrich Albert Lange, der in seiner Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart
28 könne die Philosophie immer nur spekulieren, d. h. aber, wie N.(..)(..)folgert, nur künstlerisch verfahren
28 Folge der Organisation der Wahrnehmung der Menschen und außerhalb deren Erfahrung womöglich ohne Bedeutung
28 Eduard von Hartmanns Philosophie des Unbewussten. Versuch einer Weltanschauung (
28 Hartmann versucht die Philosophien Hegels, Schopenhauers und Schellings mit naturwissenschaftlichen Positionen zu verbinden und das Unbewusste als deren gemeinsamen Ursprung aufzuweisen. Im Gegensatz zu Helmholtz und Lange kann nach Hartmann für die unbewusste Wahrnehmung aber kein regelhaftes Fundament behauptet werden, da ein solches Regelwerk wiederum ein seiner selbst bewusstes Subjekt, d. h. aber grammatische Strukturen, voraussetzen müsste – ein Zirkelschluss
28 b e w u s s t e m e n s c h l i c h e Denken“ ist für Hartmann also nur „ m i t H ü l f e der Sprache m ö g l i c h “ (Hartmann 1869, 231). Deren gesetzmäßige Genese liege dem Bewusstsein voraus
29 Denken und Wirklichkeit. Versuch einer Erneuerung der kritischen Philosophie (2 Bde., Leipzig 1873) des damals unbekannten Afrikan Spirs
29 These auf, der epistemische Zugang zur Wirklichkeit werde durch die paradoxale Koexistenz von logischen und unlogischen Gründen konstituiert.
29 Hermann von Helmholtz’ sinnesphysiologisches Werk Die Lehre von den Tonempfindungen als physiologische Grundlage für die Theorie der Musik
29 Konzept der Zweckmäßigkeit steht, indem er dieser das Bild willkürlicher Übertragungen entgegen setzt
29 Astrophysikers Johann Carl Friedrich Zöllner
30 sprachtheoretische Überlegungen hatten außerdem Friedrich Max Müllers Vorlesungen über die Wissenschaft der Sprache
30 Studium der Sprache, das Aufschlüsse über Wahrnehmungsweisen und kulturelle Konstruktionen geben kann
30 Die zahlreichen mit WL oft bis in den Wortlaut hinein identischen Nachlass-Notate zeigen, wie N. aus einem Fundus von Gedanken und Argumenten wählt, die er in immer neuen Formulierungen variiert und erprobt.
30 vielstrebige Architektur, die freilich eine eigene Logik voller doppelter Böden besitzt, Fragen bisweilen ins Leere gehen lässt oder vermeintlich grundlegende Konzepte, wie die Erklärungsschemata der Wissenschaft, als haltlos, nämlich als Spiel der regellosen Übertragungsleistung des Menschen erweist
30 formuliert die Hauptthese, die aus der Schutzbedürftigkeit des Menschen resultierende Sprachgesetzgebung gebe die Gesetze auch der als objektiv geglaubten Wahrheit
30 zweiter Teil führt aus, wie in Wissenschaft und Kunst trotz aller Konvention ein Wahrheitstrieb und ein metaphorischer Fundamentaltrieb im Menschen ineinandergreifen
31 Titel und Eingangsfabel von WL ist die hier erstmals in einen theoretischen Diskurs eingebettete Frage nach der objektiven Wahrheit in nuce angelegt
31 Evolutionsgeschichte des Intellekts gerät N. aber zur Ursprungsgeschichte der Sprache
31 der in einem grausamen Naturzustand gründende Sprachtrieb mit einem „Trieb zur Wahrheit“ (876, 27–28) zu tun hat, der gleichfalls eine existenziale Dimension besitzt.
31 „Contrast von Wahrheit und Lüge“ (877 , 30) wird durch die Sprachgesetzgebung bedingt
31 die Lüge definiert sich durch Negation, durch Missachtung der sprachlichen Konvention, damit aber zugleich als Verstoß gegen das menschliche Bewusstsein, das sich wesentlich auf die Fixierung von Sprachzeichen gründet.
31 Genese der Sprache erläutert ein physikalisch-kausales Schema, das die Allgemeinbegriffe als logisches Resultat individueller körperlicher Eindrücke auffasst
31 Übertragungsvorgänge interpretiert N. als willkürlich verfahrende Metaphern, wodurch er der Sprache einen rhetorischen Charakter zuschreibt, d. h. eine Analogie zwischen der rhetorischen Trope und grundlegenden Operationen der Sprachentstehung stiftet
31 kann sie aber nicht „der adäquate Ausdruck aller Realitäten“ (878, 15–16) sein, ja die Adäquationstheorie selbst erweist sich wie die Unterscheidung zwischen Wahrheit und Lüge als Fiktion der Sprache.
32 Strukturprinzipien der Sprache gehört aber ein allmähliches Abgleiten ihrer Metaphorizität in die „ U n b e w u s s t h e i t
32 aus dem Vergessen der originären Metaphern im Laufe des allgemeinen Sprachgebrauchs resultiert für N. der Wahrheitstrieb
32 die Wissenschaft (das ist für N. aber zugleich die Philosophie) stellt der Text als hochmütige Konstrukteurin dar
32 . Für ihre abstrakten Begriffsbauten, über deren Selbstreferenzialität sie sich hinwegtäuscht, behauptet sie gar eine Existenz außerhalb der Vorstellung und den Begriffen entsprechende Wesenheiten
32 Eben darin besteht für N. aber die besondere Leistung der Sprache, dass sie ihre eigenen unbewussten (ästhetischen) Voraussetzungen, wenn nicht aufdecken oder gar aufheben, so doch problematisieren kann, wozu ihr freilich nur wieder Metaphern zur Verfügung stehen
32 die Metapher als notwendigen Vorläufer des Begriffs unter den Begriff, zweitens aber stellt er sie als lebendigen Antipoden dem starren Begriff entgegen
32 Metapher der ersten Art ist aber wiederum nur in einer Metapher (wie jener des Nervenreizmodells) denkbar, da sie, der Sprache entzogen, in individuellem Erleben gründet
32 P e r c e p t i o n “ (884, 5) bedeutet für N. ein Assimilieren von „zwei absolut verschiedenen Sphären
32 von jedem Wahrheitsanspruch freie originäre Anschauungsmetapher kann für N. also nur als in der Prozessualität der Metapherbildung seiend gedacht werden
33 der das metaphorische Wesen des Begriffs, d. h. zugleich die Metapher von einem dem Begriff vorausgehenden Metapherngrund, affirmiert und die metaphorische Grundlage der Begriffe zugunsten der Illusion von der eigentlichen Rede verhüllt
33 setzt den vorlogischen menschlichen „Trieb zur Metapherbildung“
33 ) analogisch fort und begründet so erst Formen von Kulturkonstrukten
33 Auch der vernünftige Mensch macht sich also, ohne sich das freilich einzugestehen, das Vermögen der Sprache zu nutze, andere Formen der Perzeption zu simulieren.
33 Vermögen des Begriffs, sein janusköpfiges Wesen zu verhüllen und die Phänomene der Welt widerspruchsfrei zu erklären
NA NA setzt den vorlogischen menschlichen „Trieb zur Metapherbildung“

) analogisch fort und begründet so erst Formen von Kulturkonstrukten

(2) annotations: wagner (1849), kunst und revolution.pdf

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1 Wagner, Richard, Die Kunst und die Revolution #init_Wagner, Die Kunst und die Revolution_
12 Wir fönnen bei einigem Nac)denfen in unferer Runft feinen Gdritt tbun, obne auf den Jufammenbang Derfelben mit ber Stunft Der Ürieden zu treffen. Jn Wabrbeit ift unfere moderne Sunft nur ein Olied in der Stette Der Runftentwicelung Des gefammten Europa, und diefe nimmt ifren Quêgang bon ben Grieden

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